Vol. 3 (2010), No. 1
Nachkriegsordnungen / Post-war Orders
Gary S. Schaal / Charlotte Schubert (Hg.)
Eine besondere Herausforderung bei der Etablierung einer persistenten und legitimen politischen Ordnung stellen jene Zeiten dar, die wir als „Nachkriegszeiten“ bezeichnen. Da der Krieg politische und soziale Ordnungsarrangements erschüttert und die amtierende politische Elite durch militärische Niederlagen i.d.R. politisch delegitimiert wird, werden die „institutionellen Karten“ in Nachkriegszeiten häufig neu gemischt. In dieser Situation, die mitunter sogar zu einem legitimatorischen Vakuum führt, konkurrieren – wie in kaum einer anderen Situation – unterschiedliche politische Ordnungsvorstellungen darum, umgesetzt zu werden. Nachkriegsordnungen lassen sich daher als Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung von Macht und Herrschaft sowie von politischen und sozialen Ordnungsarrangements verstehen.
Das Erkenntnisinteresse des Themenheftes „Nachkriegsordnungen“ gilt in interdisziplinärer Perspektive der Identifikation und Analyse jener – auch symbolisch vermittelten – Mechanismen und konfliktiven Prozesse der Etablierung und Legitimierung einer politischen Ordnung in Nachkriegssituationen. Das besondere Augenmerk richtet sich dabei auf den Kampf um Hegemonie – d.h. normativer Geltung und faktischer Gültigkeit – in Bezug auf jene (zuvor partikularen und/oder umstrittenen) politischen Leitideen und Ordnungsvorstellungen, die die (neue) politische Ordnung (allgemeinverbindlich und generell akzeptiert) perspektivisch legitimieren (sollen).